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Inhaltsbereich:Sotschi - Olympische Winterspiele in subtropischen Breitengraden

Sotschi 2014 - Olympische Winterspiele unter Palmen

Neben Moskau und Sankt Petersburg kam in jüngster Zeit ausserhalb Russlands wohl keine Russische Stadt in den Genuss derart umfassender medialer Berichterstattung wie Sotschi ( Сочи). Sportbegeisterte werden wahrscheinlich schon längere Zeit die Tage bis zum 7. Februar 2014 als Eröffnungstag der 22. Olympischen Winterspiele (oder, was oft vergessen wird, bis zum 7. März 2014 als Eröffnungstag der 11. Winter-Paralympics) zählen. Und nun, da in der Schweiz bereits wieder Eishockey gespielt wird und die Ski-Asse möglichst schneller als die KonkurrentInnen ver- oder beschneite Berghänge herunter brettern, steigt möglicherweise auch bei diesem und jener das Olympia-Fieber. Wen Sotschi 2014 (Сочи 2014) bisher wenig kümmerte und im Web nach Bildern dazu sucht, wird sich ob all der Palmen, Sandstrände und mediterranen Uferpromenaden vielleicht etwas verwundert die Augen reiben und eher an die Planung der nächsten Sommerferien denken denn an die gewohnten Vorstellungen des Russischen Winters und von Väterchen Frost.

Lage und Geschichte von Sotschi

Berge, Meer, Palme und Sonne bilden das Wappen von Sotschi

Sotschi ist mit rund 340'000 Einwohnern die zweitgrösste Stadt der südrussischen Region Krasnodar ( Краснодарский край), liegt am Schwarzen Meer und auf dem gleichen Breitengrad wie beispielsweise Nizza. Sotschi ist sowohl der Name der (alten) Kernstadt als auch einer administrativen Verwaltungseinheit mit den Stadt-Rayons Adlerski (Адлерский), Chostinski (Хостинский), Lasarewski (Лазаревский) und Zentralny (Централный) und erstreckt sich insgesamt über eine Länge von 145 Kilometer. Zum Rayon Adlerski gehören mit den Ortsteilen Adler ( Адлер) und Krasnaja Poljana (Красная Поляна) auch die beiden Hauptaustragungsorte der Olympischen Wettkämpfe. Rund 30 bis 40 Kilometer nordöstlich von Sotschi erheben sich die über 3000 Meter hohen Gebirgsketten des Kaukasus. Diese schützen Sotschi vor den kalten kontinental-russischen Winden und sorgen dafür, dass die sich mittleren Temperaturen in den Wintermonaten Januar und Februar zwischen plus 3 und plus 10 Grad Celsius bewegen (die höchsten jemals gemessenen Extremwerte in den genannten Monaten betragen minus 13 und plus 21 Grad Celsius). Hinter den Kaukasus-Gipfeln liegen die politisch sehr unruhigen Russischen Kaukasus-Republiken. Und süd-östlich von Sotschi sind es auch nur etwa 30 Kilometer bis zur nicht minder unruhigen und mal diplomatisch, mal politisch, mal aber auch militärisch umkämpften Region Abchasien (Абхазия).

Abendstimmung im Hafen von Sotschi

1838 gilt als Gründungsjahr von Sotschi. Wie unzählige Russische Städte war Sotschi zu Beginn nicht viel mehr als eine militärische Befestigungsanlage mit dem Namen Alexandrija. Bis 1874 wurden die militärischen Bauten mehrfach abgerissen und später wieder neu aufgebaut, dabei wechselte auch der Name des Ortes und wurde nach dem Namen des jeweils stationierten Regiments benannt. 1896 erhielt Sotschi seinen heutigen Namen.

Mit der Entdeckung und Nutzung von Sulfid-Chlorid-Natrium-Heilquellen von Mazesta im heutigen Stadtrayon Chostinski zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann der Aufstieg von Sotschi von einem verschlafenen Nest zu einem mondänen Bade- und Kurort zur Behandlung von Bronchial- und Lungenerkrankungen sowie zu dem neben der Krim ( Крым) beliebtesten und heiss begehrten Ferienort, während der Zarenzeit für die reiche russische Oberschicht und während der Sowjetperiode für verdiente Parteifunktionäre ebenso wie für ihre herausragenden Arbeitsleistungen ausgezeichnete ArbeiterInnen. Auch Stalin erholte sich gerne während der Sommermonate im milden Klima der Russischen Riviera in einer für ihn errichteten Datscha vom harten Moskauer Winter. Die im Ortsteil Dagomys (Дагомыс) gelegene Datscha, welche bis heute dem jeweiligen Russischen Präsidenten als Sommerresidenz und Feriendomizil dient und gerne auch zum Empfang ausländischer Staatsgäste benutzt wird, wurde dagegen erst in den fünfziger Jahren für Kliment Worschilow (Климент Ефремович Ворошилов), einen Marschall der Sowjetunion und von 1953 bis 1960 Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Sowjet, erbaut

Vom Ferien- und Badeort zur Olympiastadt

Einer der vielen Kur- und Erholungspaläste in Sotschi

Das Projekt Sotschi 2014 gehörte und gehört zu den Bestrebungen der Russischen Regierung, Russland im globalen Schaufenster als modernen, leistungsfähigen und weltoffenen Staat zu präsentieren.

Wer die Geschichten über die Planung und Durchsetzung von, aber auch die Begeisterung für Gross- und Modernisierungs-Projekte in Russland einigermassen kennt, begegnete Sotschi 2014 wohl von Beginn weg ambivalent und skeptisch-kritisch. So war es denn auch wenig erstaunlich, dass schon bald einmal sowohl in russischen wie westlichen Medien Berichte über massive Korruption, explodierende Boden- und Immobilienpreise, rudimentäre ökologische Rücksichtnahme sowie die Enteignung und Verdrängung ungeliebter Bevökerungsgruppen aus dem Stadtzentrum von Sotschi auftauchten. Wobei letzteres keineswegs Russland-spezifisch ist, erinnert sei in diesem Zusammenhang an die "sozio-hygienische Säuberung" der Rambla in Barcelona im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 1992.

Mit Klick auf die beiden nachfolgenden Links können Sie in jeweils 15 Minuten Sotschi etwas näher kennenlernen (beide Filme sind russischsprachig):

Сочи - курорт (Sotschi - Kurort)
Сочи - новый город (Sotschi - neue Stadt)
Schnee in Sotschi - ein eher seltenes Phänomen

Unter dem Motto "Gute Gastgeber müssen Englisch können" startete die Verwaltung von Sotschi 2011 und 2012 eine für Russland beispiellose Kampagne zur Erhöhung der Englisch-Sprachkompetenzen mit dem Ziel, dass alle BewohnerInnen von Sotschi mindestens 662 englische Wörter verstehen sollten. TaxifahrerInnen und KellnerInnen sollten gar perfekt englisch sprechen können, ansonsten Ihnen das Arbeiten während der Olympia-Perioden verboten werden soll! Ergänzend wurden an allen Bildungsinstituten Sotschis zweimonatige Gratis-Englischkurse, wenngleich ohne Zertifikat und Diplom zum Abschluss, angeboten. Laut einem kürzlichen Bericht von Независимая Газета (Nesawisimaja Gaseta, übersetzt etwa Unabhängige Zeitung) scheint sich die Begeisterung der Bevölkerung Sotschis dafür in engen Grenzen gehalten zu haben. Wer nun den Kopf schüttelt und wieder mal reflexiv "typisch Russisch" dabei denkt, sollte jedoch, abgesehen von der alten Streitfrage, ob sich ein Gastland an seine (kurzfristigen) BesucherInnen anpassen soll oder muss oder jene sich an das Gastland, nicht vergessen, dass bis vor gerade mal zwei Generationen das Erlernen einer Fremdsprache in Russland durchaus noch ein Grund für einen unfreiwilligen längeren Sibirien-Aufenthalt sein konnte. Vielleicht haben sich die BewohnerInnen Sotschis auch bloss an ihrem Bürgermeister Anatolj Pachomow orientiert, welcher zum Zeitpunkt eines Interviews 2010 zugeben musste, dass seine Englischkenntnisse auch nicht eben berauschend sind, oder an der zweisprachigen offiziellen hompage ihrer Stadt, auf welcher sich das Englisch auf einen kurzen Welcome-Text des Bürgermeisters und ein paar wenige Seitenaufruf-Links beschränkt.

Schneeleopard, Hase und Eisbär als offizielles Maskottchen von Sotschi 2014

2011 wählten 1.4 Millionen RussInnen unter 20'048 Vorschlägen Schneeleopard, Hase und Eisbär als Maskottchen der Olympischen Spiele 2014 aus.

Ausgetragen werden die Wettkämpfe von Olympia 2014 in einer Küstenzone (Прибрежный кластер) und einer Bergzone (Горный кластер). Erstere befindet sich in Sotschi und unmittelbar an der Strandpromenade. Hier finden alle Olympiafeierlichkeiten sowie die Wettkämpfe auf flachem blankpoliertem Eis statt.

Zentraler Ort aller übrigen Olympiawettkäpfe ist das etwa 70 Kilometer östlich von Sotschi und auf ungefähr 600 Meter Höhe gelegene Krasnaja Poljana (Красная Поляна).

Krasnaja Poljana

Schöne Aussichten, aber für WarmduscherInnen wohl eher weniger einladend, in Krasnaja Poljana

Krasnaja Poljana (zu deutsch hübsche oder schöne Lichtung) ist Ausgangspunkt aller Ski-, Snowboard-, Schlittel- und Bob-Wettkämpfe von Sotschi 2014. Im Ort wohnen dauernd knapp 5'000 EinwohnerInnen. Ab Sotschi ist Krasnaja Poljana mit einer neu eingerichteten Schnellbahn oder einer ebenfalls neu gebauten Autobahn erreichbar. Die massiven Infrastruktur-Investitionen in Krasnaja Poljana wurden u.a. von Gazprom mitfinanziert. Mittel- und langfristig sollen damit nicht nur Russische WintertouristInnen, welche ihre Rubel zur Zeit noch in schweizerischen, österreichischen, französischen, italienischen oder deutschen Wintersportdestinationen ausgeben, ins eigene Land zurück geholt werden, sondern auch ausgabenfreudige nicht-russische Gäste nach Russland geholt werden. Nach Vladimir Putin's Worten soll Krasnaja Poljane nichts weniger als "exklusiv und Weltspitze in jeder Beziehung" werden.

Der nachfolgende Link öffnet eine interaktive Übersichtskarte zu Sotschi 2014 mit Kurzinformationen und Bildgalerien zu den einzelnen Wettkampfplätzen.

Gut zu wissen

Auch wenn Olympische Spiele eine internationale Veranstaltung sind, kann es für BesucherInnen der Spiele trotzdem nützlich sein, sich im Klaren zu sein, dass die Winterspiele 2014 in Russland stattfinden und deshalb dies und jenes möglicherweise etwas anders funktionieren wird, als nicht-RussInnen sich denken oder erwarten.

Zuallererst: auch für den Besuch von Sotschi 2014 ist ein gültiges Visum notwendig.

Von der möglichen Illusion, allein mit Englisch keine Verständigungs-Probleme in Sotschi zu haben, wurde weiter oben schon geschrieben. Auf jeden Fall klar im Vorteil wird sein, wer Russisch versteht und spricht, und sei es auch nur rudimentär. Also nix wie los und subito für einen Russisch-Crashkurs bei mir anmelden. Übrigens wird Sotschi auf dem Radar von Sport-Grossveranstaltungen bleiben: ebenfalls ab 2014 und sicher bis 2020 findet in Sotschi der Grosse Preis von Russland der Formel 1 statt, ebenso wird Sotschi einer der 12 Spielorte der Fussball-Weltmeisterschaft 2018 sein.

Zahlungsmittel: für den Kauf von Tickets, Speisen und Getränken, anderer Waren und Dienstleistungen, insbesondere jedoch auch zum Bargeldbezug an Automaten, sollen auf dem Gebiet der Olympischen Spiele in Sotschi einzig die VISA-Card oder Bargeld akzeptiert werden.

Für den Zutritt zu den Wettkämpfen wird neben einem gültigen Ticket auch ein Zuschauer-Pass verlangt.

Und schliesslich und endlich: wer Russisch spricht und versteht und noch auf der Suche nach einer wohl einmaligen, kurzfristigen tatsächlichen beruflichen Herausforderung ist: in Sotschi und teilweise auch in Moskau und Sankt Peterburg gibt es noch freie (Olympia-)Stellen.

Informationen über diese Website

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