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Alexander Iwanowitsch Herzen

Alexander Iwanowitsch Herzen Alexander Iwanowitsch Herzen (Александр Иванович Герцен, 25.3./6.4.1812 bis 9.1./21.1.1870) gehört zu einer langen Reihe Russischer Schriftsteller und Publizisten mit adligem Hintergrund oder/und aus reichem Haus, welche ihr Leben vornehmlich der Reform, nicht selten jedoch auch dem gewaltsamen Sturz des Zarenregimes widmeten und deshalb grosse Teile ihres Lebens ausserhalb Russlands verbrachten oder dazu gezwungen waren.

Alexander Herzen trägt übrigens weder den Namen seiner Mutter Luise Haag noch seines Vaters, des Adligen Iwan Alexejewitsch Jakowlew, welche in einer damals nicht legitimierten Beziehung zusammen lebten und ihren Sohn ein Kind des Herzens nannten.
Herzen begann 1829 gegen den Willen seines Vaters ein Studium an der physikalisch-mathematischen Fakultät der Universität Moskau und kam dort bald mit oppositionell-reformerischen Studentenzirkeln in Berührung. 1834 wurde er wegen angeblich zarenkritischer Äusserungen verhaftet und in das 900 km östlich von Moskau gelegene Wjatka verbannt; 1838 wurde ihm die Rückkehr nach Wladimir, einer alten Russischen Stadt und berühmt für ihre Uspenski-Kathedrale (Maria Himmelfahrts-Kathedrale), und 1840 nach Moskau erlaubt. Trotz seiner Verbannung gelang es Herzen 1838, seine entfernte Verwandte Natalie Alexandrowna Sachasjina heimlich aus Moskau zu entführen und zu heiraten.
1849 kam Alexander Herzen, nachdem er 1847 Russland verlassen hatte, auf der Flucht vor der Pariser (politischen) Polizei und der Cholera ein erstes Mal nach Genf und liess sich kurz darauf in Châtel (heute Burg) bei Murten einbürgern. Die Schweiz war zu jener Zeit eine republikanische Insel der (politischen) Freiheit in einem monarchistisch-autokratischen Europa und ein sicherer und gesicherter Zufluchtsort für Demokraten und Revolutionäre aus ganz Europa. Die Einbürgerung muss eher eine herzliche und feuchtfröhliche Angelegenheit denn ein reglementierter formalisierter Akt gewesen sein, schrieb doch Herzen später in seinem Buch Erlebtes und Gedachtes darüber:"...Das kleine Dorf Châtel bei Murten war einverstanden, meine Familie für eine kleine Geldsumme zum Besten der Dorfgemeinde in die Zahl der einheimischen Bauernfamilien aufzunehmen. ... Meine Bürgerrechte wurden mit überwältigender Mehrheit anerkannt, und so wurde ich von einem russischen Hofrat zu einem Fronbauer des Dörfleins Châtel. ... Neben dem Hause des Schulzen (Dorfbeamter des herrschaftlichen Adels) erwarteten uns einige ältere Bauern und der Schulze selbst, ein ehrwürdiger grossgewachsener Graukopf, der zwar schon vom Alter gebeugt, aber immer noch ein kräftiger, muskulöser Mann war. Er trat ein paar Schritte hervor, nahm die Mütze ab, streckte mir mir seine grosse Hand entgegen und sagte: 'Lieber Mitbürger!'. Hierauf hielt er in seiner deutschschweizerischen Mundart eine Begrüssungsrede, von der ich indessen kein Wort verstand...". Herzen wurde anschliessend vom Schulzen zu einem "zwar milden, aber starken" dreissigjährigen Landwein eingeladen, dessen Auswirkungen auf Herzen nachhaltig gewesen sein muss: "... Als ich etwa ein Jahr später von Bern nach Genf unterwegs war, begegnete ich auf einer Station dem Präfekten von Murten. 'Wissen Sie', sagte er zu mir, 'dass Sie bei unseren Bewohnern von Châtel eine ganz besondere Popularität geniessen?' -'Nein.' - 'Sie erzählen noch heute mit stolzer Zufriedenheit, wie ihr neuer Mitbürger nach ihrem Wein das Gewitter verschlief und im grössten Regen, ohne selbst zu wissen wie, von Murten bis Freiburg fuhr.' "
Eng mit Herzen verbunden ist die von ihm und seinem langjährigen Freund Nikolai Platonowitsch Ogarjow (Николай Платонович Огарёв ) von 1857 bis 1867 herausgegebene Zeitschrift Die Glocke (Колокол); diese zuerst in London und ab 1863 in Genf gedruckte, nach Russland geschmuggelte und dort illegal verbreitete Publikation gehörte lange Zeit zu den wichtigsten Presseerzeugnissen der Russischen Opposition und begründete Herzens Ruhm und Verehrung massgeblich. Herzens Position unter Russischen Oppositionellen und sein Einfluss auf die Russische Öffentlichkeit verschlechterte sich 1863 jedoch schlagartig, als er den Polnischen Aufstand gegen die Russische Herrschaft als Signal zur Erhebung der gesamtem slawischen Völker ausdrücklich begrüsste. Verbittert zog er sich nach Genf zurück, wo er die meisten der restlichen Jahre seines Lebens bis zu seinem Tod 1870 in Paris verbrachte.
Auch Herzens Schweizer Jahre sind von persönlichen Schicksalsschlägen geprägt: seine Frau Natalie Alexandrowna Sachasjina verguckte sich in den deutschen Schriftsteller und Revolutionär Georg Herwegh, 1851 kommen seine Mutter und sein jüngster Sohn Kolja bei einem Schiffsunglück ums Leben, am 2. Mai 1852 stirbt seine Frau an den Folgen einer Lungenentzündung. Nach 1857 verlässt Ogarjows Frau Natalja Tutschkowa diesen und wird Herzens Geliebte, 1864 sterben die beiden gemeinsamen Kinder Jelena und Aleksej im Alter von drei Jahren.
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